Die jüdische Bioethik befasst sich mit den ethischen Fragen von Medizin und Lebenswissenschaften auf der Grundlage von Tora, Talmud und rabbinischer Tradition. Im Mittelpunkt steht die Heiligkeit und Würde des menschlichen Lebens.
Ein zentrales Prinzip ist "Pikuach Nefesch", die Verpflichtung, menschliches Leben zu retten und zu schützen. Deshalb misst das Judentum der Heilung von Krankheiten und dem medizinischen Fortschritt einen hohen Wert bei.
Fragen wie Organtransplantation, künstliche Befruchtung, Gentechnik oder das Lebensende werden dabei nicht pauschal beantwortet, sondern im Licht religiöser Quellen und der jeweiligen Umstände sorgfältig geprüft. Jüdische Bioethik verbindet somit den Respekt vor dem Leben mit der Verantwortung, moderne Medizin zum Wohl des Menschen einzusetzen
Rabbiner Dr. h.c. Joel Berger wurde 1937 in Budapest geboren und emigrierte 1968 nach Deutschland. Seither war er als Rabbiner in Düsseldorf, Göteborg (Schweden), Bremen und Stuttgart tätig. Er war lange Jahre Hochschuldozent am Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen, die ihm auch den Ehrendoktor verlieh. Im Jahr 2001 wurde ihm die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen. 2015 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2017 die Bürgermedaille der Stadt Stuttgart.
Berger ist Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen über Geschichte, Volkskultur und Kulturgeschichte des Judentums. 2013 erschienen die Autobiographie „Der Mann mit dem Hut“ und „Mit Rabbiner Joel Berger durch das jüdische Jahr“, 2019 „Gesetz – Ritus – Brauch. Einblicke in jüdische Lebenswelten“.